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KONZEPTION

Die Motive der Dollar-Pictures von Maik Wolfram zeigen den Preis, zu dem sie käuflich zu erwerben sind. Jeden Preis gibt es nur ein einziges mal. Die preisliche Staffelung erfolgt in Schritten von einem US-Dollar. Das preiswerteste Kunstwerk kostet 1 US-Dollar. Das nächst teurere kostet 2 US-Dollar, dann 3, 4, 5, 6, ... und so weiter. Bis zu einem Preis von 1000 Dollar gleichen sich alle Kunstwerke in Format und Farbe.

Dieses Programm ist die Software eines künstlichen Systems dessen Zweck es ist, sich im Kunstsystem zu etablieren. Dies geschieht, indem es sich als Subsystem im Kunstsystem aus sich selbst heraus entfaltet. Neben den zum Verkauf stehenden Kunstwerken und dem (diesem!) konzeptionellen Programm ist die Vermarktung (u.a. diese Website) der dritte Teil des Gesamtkunstwerkes. Das Marketing finanziert sich über den Verkauf der Bilder. Der Verkauf der Bilder wird durch das Marketing vorangetrieben. Ein rekursiver, autopoietischer Kreislauf kommt in Gang. Zu Erzeugung einer künstlichen Verknappung der Kunstware werden ab 1000 Dollar nur noch hochpreisige Motive (10000, 20000, 30000, ... , 100000, 200000, 300000, ..., 1Millionen) angefertigt. So kann sich auch der Wert der vorangegangenen Bilder erhöhen.

Vor dem Hintergrund der Kunstgeschichte ist das Systemkunstwerk die Fortführung einer Entwicklung, welche mit der Erfindung des Ready Mades durch Marcel Duchamp am Anfang des letzten Jahrhunderts begonnen hat. Andy Warhol hat die Idee des Readymades in den sechziger und siebziger Jahren mit der seriellen Reproduktion von vorgefundenen Bildmotiven aufgegriffen. Jeff Koons hat in den achziger Jahren das Marketing zur Kunst gemacht und mit der Etablierung des Markennamens „Jeff Koons“ sein einziges selbstgefertigtes Werk geschaffen. Damien Hirsts Haifisch im Tank (Shark) wurde in den neunziger Jahren medienwirksam als das bis dahin teuerste Werk eines noch lebenden Künstlers für eine Millionen Pfund an den Werbemogul Saatchi verkauft. Diese Entwicklung unterbieten die Dollar Bilder mit absoluter Selbstreferenz und durch die Kälte ihres systematischen Kalküls.

MANIFEST

Die Modernität der modernen Kunst manifestierte sich in Manifesten – doch die Prägnanz der einst glühenden Manifeste ist vergangen. Ihre domestizierten Nachfolger findet man heute in Ausstellungskatalogen wo sie ihr Dasein als ordentlich formulierte Einleitungstexte fristen. Aber: „Der tragische Künstler ist kein Pessimist – er sagt gerade Ja zu allem Fragwürdigen und Furchtbaren selbst, er ist dionysisch [...].“ (Freidrich Nietzsche: Götzen-Dämmerung. Werke in drei Bänden, hg. von Karl Schlechta, Bd.2, op. cit., S.961.)

Es ist wahr das modernes Wissen über die moderne Kunst lang Zeit die Wahrheit war. Es wurde „postmodern“ genannt davon zu wissen. Was als postmoderne Kunst möglich wäre kann man nur wissen wenn man die Wahrheit über die moderne Kunst kennt. Was postmoderne Kunst sein könnte läßt sich erahnen wenn man folgendes weiß:

THEORIE

In der Gegenwart der modernen Gesellschaft ist Kunst ist weder unmöglich noch notwendig – Kunst ist kontingent! Die folgende Theorie ist eine künstlich abstrahierte Form der Reflexion moderner Kunst. Diese Theorie ist keine Theorie – diese (diese!) Theorie ist Kunst!

GESCHICHTE

Kunst entstand über zwei Jahrtausende lang unter der Bedingung dass sie schön sein musste. Schönheit war das Beurteilungskriterium nach dem man in vergangenen Epochen den Wert Kunst maß. Kunst war das was genau abbildete, schön war, die Natur übertraf. Als die theoretische Physik die Unbeobachtbarkeit einer Beobachterunabhängigen Realität anerkannte (Werner Heisenberg, ca. 1910) kommt auch in der kunsttheoretischen Reflexion der Kunst in Form von Konzeptkunst zum Ausdruck dass die Unterscheidung von Kunst und Nicht Kunst von Beobachtern abhängt.

MARCEL DUCHAMP

Als Künstler diesen konstruktivistischen Ansatz radikal zu Ende dachten war klar: Kunst ist alles was der Künstler als Kunst bezeichnet denn die Empfindung von Schönheit ist so relativ wie Raum und Zeit. Den originellsten Ausdruck fand dieser Gedanke in dem von Marcel Duchamp in Jahre 1917 signierten und damit zum Kunstwerk erklärten Urinal (Titel: „Ia fountaine“). Zur Ironie der Geschichte des Urinals gehört es dass es nach seiner Adelung zum Kunstwerk den Weg zurück zum Nichtkunstwerk nahm, denn es landete es auf dem Müll. Was erhalten blieb war die konzeptionelle Möglichkeit alles zur Kunst zu erklären.

MODERNE KUNST

Indem Marcel Duchamp etwas das keine Kunst war zur Kunst erklärte schuf er die Anleitung zur Erzeugung moderner Kunst. Die metaphysische Erkenntnis von der Beliebigkeit der Kunst in Form von Kunst zum Ausdruck zu bringen war das „moderne“ an der modernen Kunst. Die abstraktesten Formen der modernen Kunst verwiesen auf Nichts als den Quell dieser Beliebigkeit. Moderne Kunst erzeugte die Form von Kunstwerken die Nichts bedeuten – außer der Tatsache dass genau das der Fall ist. Aus diesem Paradox entsprangen alle wirklich modernen Kunstwerke. Je flacher das Kunstwerk war desto besser konnte sich die Wahrheit über die Relativität der Kunst in Kunstwerken widerspiegeln. Erst die perfekte Glätte erzeugt die Illusion des Tiefgangs.

FREIE KUNST

Die moderne Kunst begann in der absoluten Freiheit ihrer absoluten Beliebigkeit. Alles hätte Kunst sein können und jeder wäre ein Künstler gewesen wenn das interesselose Wohlgefallen an der geradezu göttlichen Schönheit der Kunst selbst zur Kunst geworden wäre. Doch die Geschichte der Modernen Kunst sollte anders enden: Da nun selbst die hässlichsten Dinge zur Kunst erklärt werden konnten ging der Kunst die Schönheit als Maßstab ihrer göttlichen Qualität verloren. Wenn ALLES Kunst ist, ist NICHTS Kunst. Also braucht die Kunst die Kunst der Unterscheidung zwischen KUNST und NICHTKUNST. Die entscheidende Frage kautet: Was ist Kunst? Wer moderne Kunst will muss zwischen KUNST und NICHTKUNST entscheiden – dazu zwingt die ewige Freiheit der Kunst. Da die moderne Kunst den Selektionsbbedingungen eines streng hierachisch organisierten Kunstsystems unterliegt ist sie nicht frei.

HIERARCHIE

Dass Schönheit kein Maßstab zur Bewertung moderner Kunst ist hat seinen Preis. Die Funktion der Schönheit übernahm fortan das Geld. Schönheit ist subjektiv – Preise sind es nicht. Daher eignet Geld mehr als die Schönheit zur Bewertung von Kunst. Die moderne Kunst nahm sich die Freiheit ihre Werke über die Preise zu bewerten und hässliche Kunst konnte jetzt mehr wert sein als schöne. So ging der Maßstab für die Hierarchisierung der Kunst von der Schönheit auf eine Monetäre Bewertung über.

ABSTRAKTION

Wer mit Kunst finanziellen Erfolg haben will muss das Kunstsystem aus der Distanz betrachten. Erst aus der Position der Abstraktion kann eine neue Form der Kunst erzeugt werden. Trotz der unvermeidlichen Wiederkehr des ewig Gleichen kann so (so!) theoretisch ein Minimum an Neuheit erzeugt werden. Dem Gegenwartskünstler ist es nahezu unmöglich bedeutende „moderne“ Kunst zu schaffen welche nicht nur ein Zitat der Kunstgeschichte darstellt. Selbst die Einsicht das große Kunst vielmehr durch großes Marketing als durch großes Talent entsteht ist längst veraltet denn es gab viele Künstler die das reflektierten..

NEUE KUNST

Jedes Kunstwerk konkurriert mit anderen Kunstwerken um die knappe Aufmerksamkeit des Publikums. Das Neue in der Kunst fasziniert, doch alles was neu ist wird alt. Neuheit lässt sich behaupten – aber lässt sie sich begründen? Theoretisch war es in der Kunst immer möglich mit einer stilistischen Variation das Publikum zu faszinieren. Das Formenspiel der modernen Kunst hat sich jedoch soweit ausdifferenziert dass jede Variation nur noch als mehr oder weniger gelungnes Zitat erscheint. Eine neue Kunst ist (fast) unmöglich.

TRANSFORMATION

Die technische Evolution ändert die Bedingungen unter denen Kunst entsteht. Zentralperspektive und Fotografie waren Erfindungen der Technik und sie schufen neue Formen der Kunst. Die neuen Techniken eines jedes Zeitalters ermöglichten neue Formen der Kunst. Eine revolutionäre Technik ist die Bedingung für eine Revolution der Kunst. Jeder Künstler hat seine Technik und jedes Kunstwerk hat seine Form. Die Superform der Kunst ist die Form der Transformation.

TECHNIK

Die Technik der globalen Vernetzung von Computern heisst Internet. Das als Internet bezeichnete World Wide Web stellt moderne Kunst unter neue Bedingungen und neue Bedingungen erzeugen neue Möglichkeiten. Künstler die diese Möglichkeiten erkennen, können sie für die Kreation von Kunst einsetzen. Das Internet ist das Medium welches die Möglichkeit Neues zu schaffen erzeugt hat. Die Kunstgeschichte geht weiter.

WORLD WIDE WEB

Die Kunstwissenschaft teilt die Geschichte der Kunst in Epochen. Das (r)evolutionäre Potential der Erfindung des globalen Computernetzwerkes ist gleichzusetzen mit der Erfindung des Buchdrucks. Das Internet ist ein theoretisch epochales Ereignis für das die Kunstsystem theoretisch adäquate Formen der Reflexion in Form von Kunstwerken finden kann. Das Internet ist die epochal neue Bedingung unter der die Kunstwerke der Zukunft entstehen werden. Aus der Perspektive der Gegenwart wird die Zukunft zeigen wohin der Zeitgeist geht und wie sich die neuen Bedingungen in zukünftigen Kunstwerken spiegeln.

THESE

Die Epoche der modernen Kunst endet mit der Einführung des vernetzten Computers. Der moderne Zeitgeist hat ein modernes Kunstsystem geformt. Der neue Zeitgeist einer postmodernen Kunst entspringt den vernetzten Computern. Das globale Kommunikationsmedium Internet erzeugt eine neue Bedingung unter der das Kunstsystem operiert. Neue Bedingungen erzeugen neue Möglichkeiten. Dieser Webseite ist eine Möglichkeit der Transformation moderner Kunst. Die Form der DOLLAR-PICTURES ist nicht neu. Erst die neuen Bedingung unter denen die Dollar-Bilder zur Kunst werden machen sie zu postmoderner Kunst.

POSTMODERNE

Die Kunst wurde modern als Marcel Duchamp die Form der Transformation von Nichtkunst zur Kunst zu einer möglichen Form der Kunst erklärte. Die moderne Kunst wird transzendiert wenn ein Kunstwerk die moderne Kunst abstrahiert indem es das moderne Kunstsystem unter neuen Bedingungen reflektiert. Diese (diese!) Abstraktion ist eine Transformation der modernen Kunst – diese Transformation ist postmodern! Duchamp war ein Jahrhundert lang der Meister im Spiel um die die Krone der modernen Kunst. Sein Spiel zu spielen war modern und ein Jahrhundert lang bestand die Kunst darin ihn kunstvoll zu zitieren.

Jedes Zitat des ewig Gleichen in verschiedenen Formen (Suppendosen, Heifische in Tanks, Schwarze Quadrate auf weissem Grund, Drip Paintings, DADA, etc. ... ) deutete auf ein Ende der Evolution der Kunst. Aber auch der Spielzug der Erzeugung des kunstvoll formulierten ENDES in der Evolution der Kunst war nie DAS ENDE – es was nur eine mögliche Form der Erzeugung moderner Kunst.

In der Moderne war es modern die Postmoderne zu denken oder sich gar in ihr zu wähnen. Aber erst die Abstraktion der Moderne in Form einer sich selbstreflektierenden Kunstform erzeugt eine postmoderne Kunstform welche die moderne Kunst in Form einer sich selbsreflektierenden Form transzendiert. Die Form der systematischen Erzeugung postmoderner Kunst entsteht in der Reflexion moderner Kunst unter den neuen Bedingungen der epochal neuen Technik der zum Internet vernetzten Computer.

Die fundierende Ontologie einer solchen sich selbst erzeugenden FORM fundiert sich im Paradox der Beobachtung einer Beobachtung des Unbeobachtbaren – das kann man beobachten. Würde das jeder können wäre jeder ein Künstler. Daran ist nichts NEU nichts SCHÖN und nichts KUNST. Nichts ist die perfekte Form einer Paradoxie aus der alle Kunst entspringt. NICHTS hat diese Form. Die Kunst das Mysterium der Kunst zu verstehen ist zwar noch keine Kunst – es zur postmodernen Kunst zu erklären dagegen schon. Nur aus diesem Verständnis entsteht JETZT postmoderne Kunst.



Maik Wolfram – 2015